www.peer-pasternack.de
Bibliographische Dokumentation: Ostdeutsche Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte seit 1945
DDR-Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte
Geisteswissenschaften in der DDR/Ostdeutschland
Soziologie an der Universität Halle-Wittenberg 1945–1990
Hochschultransformation in Ostdeutschland 1989ff.
Zeitgeschichte der Universität Leipzig
Transformation der Ost-Berliner Wissenschaft in den 1990er Jahren
Geschichte der DDR, ihre Aufarbeitung und die ostdeutsche Systemtransformation
Die DDR in Lehre und Forschung an deutschen Hochschulen
Konzepte der Hochschulentwicklung in Deutschland seit 1945
Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte in Osteuropa
Wittenberg nach der Universität (1817-1994)
Wissensgeschichte Halle-Neustadt
Promovierendentage zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Das Ende der DDR hat einerseits wissenschafts- und hochschulgeschichtlichen Forschungen durch erleichterten Archiv- und sonstigen Quellenzugang einen erheblichen Schub verliehen. Andererseits wurden eine grundstürzende Transformation bei der Neuorganisation der ostdeutschen Wissenschafts- und Hochschullandschaft in Gang gesetzt. Beide Entwicklungen fanden und finden ihren Niederschlag in geradezu explodierten Publikationsaktivitäten. Darüber einen Überblick zu haben ist notwendig, um Parallelforschungen zu vermeiden und offene Forschungsfragen identifizieren zu können. Die annotierte Bibliografie wird fortlaufend in der Zeitschrift "die hochschule" innerhalb der Rubrik "Publikationen" veröffentlicht. Daneben gibt es diverse Print-Veröffentlichungen und eine
CD-ROM-Edition (2006).
Behandelt werden struktur- und institutionengeschichtliche Fragen, die sich auf Funktionsweise, Wirkungen und Nachwirkungen von Hochschule und Wissenschaft in der DDR beziehen.
Behandelt werden die Geisteswissenschaften im engeren Sinne, also die historisch-hermeneutisch orientierten Disziplinen (in der DDR gemeinsam mit den Sozialwissenschaften unter dem Begriff der Gesellschaftswissenschaften zusammengefasst). In Einzelprojekten wurden Aspekte der Funktionsweise, Wirkungen und Nachwirkungen der ostdeutschen Geisteswissenschaften insgesamt, der akademischen Theologie und der Philosophie aufgearbeitet.
Zwischen 1947 und 1949 gab es an der Martin-Luther-Universität bereits ein Institut für Soziologie, doch eine eigentliche Institutionalisierung des Faches gelang erst 1965 mit der (1964 beschlossenen) Gründung einer eigenen Forschungsgruppe, dann Wissenschaftsbereich Soziologie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Die Leitung hatte bis 1990 Rudhard Stolberg inne. Der inhaltliche Schwerpunkt lag in der Arbeits- und Industriesoziologie. 1976 startete ein eigenständiger Diplomstudiengang, wobei im jährlichen Wechsel mit der Universität Leipzig immatrikuliert wurde. Damit war Halle einer von drei Standorten, an denen in der DDR Soziologen und Soziologinnen ausgebildet wurden (der dritte Ort war die Humboldt-Universität zu Berlin). Neben dem Wissenschaftsbereich Soziologie gab es an mehreren Einrichtungen der halleschen Universität kleinere soziologische Bereiche, so Literatursoziologie, Medizinsoziologie und Agrarsoziologie. Das Projekt baut auf entsprechenden Lehrforschungsprojekten auf, konzentriert sich auf die Auswertung der schriftlichen (veröffentlichten und unveröffentlichten) Überlieferung des Wissenschaftsbereichs Soziologie und bemüht sich gleichzeitig darum, auch die Zweigsoziologien an anderen MLU-Einrichtungen in die Betrachtung einzubeziehen.
Der grundstürzende Wandel, der sich mit der Eingliederung des DDR-Wissenschaftssystems in die gesamtdeutsche Wissenschaftslandschaft vollzog, wirft Fragen auf nach Transformationsgewinnen und -verlusten, nach politischer Steuerungsintelligenz, Lernbereitschaft und -fähigkeit von (wissenschafts)politischen Organisationen, Persistenz sozialer Milieus und akademischer Fachkulturen usw. In zahlreichen Einzelprojekten wurde und wird diesen Fragen nachgegangen.
Behandelt werden Fragen der Entwicklung der Universität Leipzig in den 1990er Jahren und deren historische Voraussetzungen.
Ein Jahrzehnt nach dem Umbruch in Ostdeutschland nimmt die Intensität der Behandlung von DDR-Geschichte und aktuellen ostdeutschen Entwicklungen in der akademischen Lehre kontinuierlich ab. Sie ist augenblicklich wieder auf dem vergleichsweise niedrigen Stand von 1990 angelangt. 2000/2001 gibt es Landstriche, die von entsprechenden Lehrangeboten völlig frei sind. Eine deutliche Mehrheit von 54 der insgesamt 88 deutschen Universitäten - d.h. 62% - hat keine einzige explizit Ostdeutschland-bezogene Lehrveranstaltung mehr im Programm. So das wichtigste Ergebnis der vorliegenden Analyse. Bis 1990 zurück wurde das Lehrveranstaltungsgeschehen für zwölf exemplarische Universitäten ausgewertet. Für 2000 bzw. 2001 wurde eine Totalerhebung an allen deutschen Universitäten durchgeführt. Die Themenkarriere der DDR in der akademischen Lehre, so das ermittelte Bild, zeigte zunächst eine fast lineare Aufwärtsbewegung vom Anfang bis zur Mitte der 90er Jahre; in der zweiten Hälfte der 90er Jahre bis heute zeigt sie eine fast ebenso lineare Abwärtsbewegung. Zirka 3.700 Lehrveranstaltungen zu DDR/Ostdeutschland haben von 1990 bis 2000/01 an den deutschen Universitäten stattgefunden; das ergibt eine Quote von 1,8 Vorlesungen oder Seminaren pro Hochschule und Semester. Neben den quantitativen Analysen, zu denen auch regionalspezifische Auswertungen gehören, wurden die Veranstaltungen inhaltlich untersucht (Themenfelder, methodische Kontexte, Fächerpräsenzen).
Seit 1990 haben 18 ostdeutsche Hochschulen runde Gründungsjubiläen gefeiert, und bis 2020 werden weitere 22 solcher Jahrestage anstehen. Anlässlich derartiger Jubiläen war bzw. ist regelmäßig eine deutliche Belebung hochschulgeschichtlicher Aktivitäten zu verzeichnen. Dabei wird an den ostdeutschen Hochschulen in der Regel erstmals ein systematisiertes Konzept zum Umgang mit der eigenen Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts erarbeitet. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar: Die in sich gebrochene Diktaturerfahrung verlangt nach anspruchsvollen Auseinandersetzungsmustern. Sie macht für die ostdeutschen Hochschulen (a) jede zeitgeschichtliche Referenz potenziell heikel, also deutungsbedürftig; erfordert (b) anspruchsvolle Umgangsweisen mit den diversen und sehr heterogenen Zeitzeugengruppen; überantwortet ihnen (c) öfter als westdeutschen Einrichtungen einen erinnerungsadäquaten Umgang mit baulichen und künstlerischen Zeitzeugen, und bewirkt (d), dass der Umgang mit der Hochschulzeitgeschichte unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit steht. In dem Projekt werden die zeitgeschichtlichen Aktivitäten zur jeweiligen Hochschulgeschichte recherchiert, analysiert und verglichen, Muster der Auseinandersetzung von Hochschulen mit ihrer institutionellen Zeitgeschichte identifiziert, Gründe für die unterschiedliche Dichte und Qualität der zeitgeschichtlichen Aktivitäten herausgearbeitet und Handlungsempfehlungen formuliert.
Im Rahmen des Projekts entsteht derzeit die Dissertationsschrift von Daniel Hechler (
Podcast).
Seit 1990 kommt es zu einer allgemeinen Wiederbelebung akademischer Rituale in Deutschland. Diese Entwicklung ging und geht nicht allein von ostdeutschen Hochschulen aus, erhielt von dort aber wesentliche Impulse. Gefragt wird danach, welche gemeinsamen oder/und unterschiedlichen Ursachen derartige Rückbesinnungen haben, wie tragfähig in Westdeutschland der einstige 68er Abschied von der akademischen Symbolwelt war, ob Symbole, Rituale und Bräuche Inhalte ergänzen oder ersetzen, ob älteren Formen neuere zur Seite treten, und wem all dies warum nützt, schadet oder gleichgültig sein kann.
Die hochschulpolitische Debatte produziert aus Meinungen und Einfluss erlangenden Überzeugungen mit Stetigkeit auch neue programmatische Konzepte der Hochschulentwicklung. Diese folgen unterschiedlichen normativen Grundlagen, repräsentieren jeweils bestimmte Interessenbindungen, sind von unterschiedlicher Konsistenz und Lebensdauer. Manche der programmatischen Konzepte werden explizit als solche offeriert, andere bleiben implizit, sind in den hochschulpolitischen Debatten versteckt und aus den einschlägigen Texten zu präparieren. Durch die Aufbereitung von insgesamt elf programmatischen Konzepten werden die dominierenden Ideen der hochschulpolitischen Debatten in den letzten sechs Jahrzehnten nachvollziehbar. Ein effektiver Überblick über ein reichliches halbes Jahrhundert Hochschuldiskussion in Deutschland wird so ermöglicht.
Das Ende der sozialistischen Regime in Osteuropa hat einerseits wissenschafts- und hochschulgeschichtlichen Forschungen durch erleichterten Archiv- und sonstigen Quellenzugang einen erheblichen Schub verliehen. Andererseits wurden sehr unterschiedliche Transformationspfade bei der Neuorganisation der einzelstaatlichen Wissenschafts- und Hochschulsysteme beschritten. Beide Entwicklungen fanden und finden ihren Niederschlag in geradezu explodierenden Publikationsaktivitäten. Darüber einen Überblick zu haben ist notwendig, um Parallelforschungen zu vermeiden und offene Forschungsfragen identifizieren zu können. Das seit 1997 laufende Projekt diente der Vorbereitung eines entsprechenden Forschungsschwerpunkts am Institut und daneben als Dienstleistung für die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Die annotierte Bibliografie wird fortlaufend in der Zeitschrift "die hochschule" innerhalb der Rubrik "MOE-Nachrichten" veröffentlicht. Nachdem 15 Jahre osteuropäische Wissenschaftstransformation einschließlich der diesen Umbruch begleitenden wissenschafts- und hochschulgeschichtlichen Arbeiten über Wissenschaftsentwicklung im kommunistischen Herrschaftsbereich bibliografisch dokumentiert sein werden, wird das Projekt Ende 2004 abgeschlossen.
In den letzten beiden Jahrhunderten ist Wittenberg 177 Jahre lang eine Stadt ohne Universität gewesen: 1817 war die Universität Leucorea aufgehoben worden - administrativ vollzogen als Vereinigung mit der Universität zu Halle/Saale. 177 Jahre später, 1994, erfolgte die Gründung der Stiftung Leucorea, die sich in der historischen Kontinuität zur Universität sieht. Sie operiert als eigenständig verwaltete Außenstelle der Universität in Halle, und als ihre wesentliche Aufgabe wurde formuliert, zur "Wiederbelebung akademischen Lebens in Wittenberg" beizutragen. Von Interesse ist daher, woran diese Wiederbelebung vor Ort anknüpfen kann. In der Tat hat es zwischen 1817 und 1994 in Wittenberg zwar kein akademisches Leben im engeren Sinne gegeben, sehr wohl hingegen fanden Wissenschaft und (Höhere) Bildung in relevantem Umfang statt: Auch an Orten ohne Universität vermag Entsprechendes zu entstehen - aus praktischen Gründen, bspw. solchen der technologisch-industriellen Innovation, aus strukturpolitischen Gründen, die zur Ansiedlung nichtuniversitärer Forschungs- und Bildungseinrichtungen führen, aus kulturellen Motiven bildungsbürgerlicher Distinktions- oder proletarischer Bildungsbedürfnisse, aus historischen Gründen etwa des Vorhandenseins überregional bedeutender Archive usw. Obgleich Wittenberg mit der Universität etwas für seine städtische Existenz und sein Selbstverständnis sehr Gewichtiges verloren hatte, entwickelte die Stadt alsbald aus sich heraus auch wieder Eigenes und schöpfte Kräfte aus anderen Quellen. Eine Wittenberger Besonderheit hierbei besteht darin, dass sich in der Stadt seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zwei Linien wissenschaftlicher und wissenschaftsnaher Aktivitäten unterscheiden lassen: die reformationsbezogenen und die nicht auf die Reformation bezogenen. Wittenberg hatte sein städtisches Leben gleichermaßen als Erbeverwalterin der Reformation wie als ,ganz normale' Stadt mit jeweils aktuellen und in die Zukunft gerichteten Interessen zu gestalten. Diese Doppelgleisigkeit prägte auch ihr 19. und das 20. Jahrhundert. Die derart gezogenen Spuren freizulegen, zu dokumentieren, zu systematisieren und damit dem öffentlichen Bewusstsein verfügbar zu machen ist Anliegen des Projekts.
1964 gegründet, weist Halle-Neustadt eine sequenzielle Doppelgeschichte auf: 25 Jahre DDR-Stadt und über 20 Jahre Stadt(teil) im neuvereinten Deutschland. Im Zuge dessen wurde Halle-Neustadt zum doppelten Prototyp: erst der geplant expandierenden sozialistischen Stadt in der DDR und hernach der ungeplant schrumpfenden Stadt in Ostdeutschland. Beides war bzw. ist verbunden mit zwei verschiedenen symbolischen Stadtkonstruktionen, die an Halle-Neustadt adressiert wurden/werden. Die erste zielte auf die Realisierung eines „sozialistischen Wohnkonzepts“ und einer „sozialistischen Lebensweise“. Die zweite zielt auf einen produktiven Umgang mit der Schrumpfung. Eine Ansiedlung wird erst dann zur Stadt, wenn sie ein Eigenleben entfaltet, das identitätsbildend wirkt. Hierzu gehört unter anderem, dass die Stadt ‚sich selbst denkt’. Mit den Inhalten dessen befasst sich das Projekt, d.h. mit dem Ideenhaushalt Halle-Neustadts, mit der Geschichte und Gegenwart der auf Identitätsbildung zielenden Vorstellungen, die der Stadt entweder von außen angesonnen oder in ihr und durch sie produziert wurden bzw. werden – und wie damit umgegangen wurde bzw. wird. Der Bogen ist zu spannen von der „Sozialistischen Stadt der Chemiearbeiter“ zum – wie das hallesche Thema im Rahmen der IBA „Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010“ lautete – „Balanceakt Doppelstadt“.
Im Rahmen des Projekts entsteht derzeit die Dissertationsschrift von Henning Schulze (
Projektvorstellung,
Podcast, und
Artikel)
Seit 2005 führt das Institut für Hochschulforschung (HoF) gemeinsam mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur jährlich im Juni/Juli die Promovierendentage zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte durch. Die Veranstaltung dient zwei Zielen: Erstens unterstützt sie die Einbindung der DDR-Forschung in die allgemeinen Standards, Trends und Konzeptionen deutscher und europäischer Zeitgeschichtsforschung nach 1945, die eines der vordringlichen Ziele für die Kontinuitätssicherung des Forschungsfeldes darstellt. Zweitens wird die inhaltliche und vernetzungsorientierte Unterstützung der Promovierenden gefördert, die sich mit der Geschichte der DDR und der deutschen Teilung befassen. Die Promovierendentage verbinden den inhaltlich-thematischen Austausch unter den Doktorandinnen und Doktoranden mit deren unmittelbarer persönlicher Weiterqualifikation.